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Märchenhaft
Programm als pdf

Jacob und Wilhelm Grimm
aus "Kinder- und Hausmärchen"
Die sieben Raben

Andante
Menuetto
Rondeaux. Allegretto

aus "Kinder- und Hausmärchen"
Der alte Sultan

Robert Schumann (1810-1856)
Märchenerzählungen op.132
Vier Stücke für Klarinette, Viola und Klavier
Lebhaft, nicht zu schnell
Lebhaft und sehr markiert

aus "Kinder- und Hausmärchen"
Der Löwe und der Frosch

Märchenerzählungen op.132
Ruhiges Tempo mit zartem Ausdruck
Lebhaft, sehr markiert


Ensemble Spektrum
Marisa Waldburger, Text
Marc Bätscher, Klarinette
Beatrix Frey, Viola
Jason Paul Peterson, Klavier



Vordergründig sind Märchen Erzählungen voller fantastischer Gestalten und Begebenheiten. Dahinter verbirgt sich jedoch oftmals eine tiefere Aussage: Belehrung, Gesellschaftskritik oder auch zwischenmenschliche Abgründe.

Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) wurden in Hanau geboren. Zwei Jahre nach dem Tod ihres Vaters schickte die Mutter die Brüder zu ihrer Tante nach Kassel, wo sie das Gymnasium besuchten. Anschliessend studierten sie an der Universität Marburg Rechtswissenschaften. Während des Studiums begannen sie, die historische Entwicklung der deutschsprachigen Literatur zu untersuchen.
Im Jahr 1806 fingen die Brüder an, Märchen zu sammeln. 1812 erschien der erste Band der „Kinder- und Hausmärchen“, 1815 folgte der zweite. Entgegen ihrer Aussagen, die Märchen seien „echt hessisch“, handelt es sich nach Ansicht heutiger Forscher jedoch nicht um eine Sammlung bäuerlicher Märchen, die ihren Ursprung in altnordischen und urdeutschen Mythen haben. Die Hauptquelle war keine hessische Bäuerin, sondern eine gebildete französischstämmige Schneiderin. Einige Märchen wurden aufgrund ihrer französischen Herkunft nach der Erstausgabe wieder aus dem Buch entfernt. Abgesehen davon veränderten die Brüder die Texte zum Teil erheblich.
Neben zahlreichen weiteren Publikationen übten sie ihre offizielle Berufstätigkeit als Bibliothekar (Jabcob), bzw. als Sekretär der Kasseler Bibliothek (Wilhelm) aus. Dadurch hatten sie die Gelegenheit, ihren sprachwissenschaftlichen Forschungen nachzugehen. Ab 1829 waren die Brüder als Professoren in Göttingen tätig. Als sie sich 1837 mit einer Streitschrift gegen einen Verfassungsbruch des Königs von Hannover zur Wehr setzten, wurden sie entlassen und Jacob des Landes verwiesen. Sie kehrten nach Kassel zurück und arbeiteten am „Deutschen Wörterbuch“, dem „Grimm“. 1840 holte der preussische König Friedrich Wilhelm IV die Brüder nach Berlin, wo sie bis zu ihrem Tod lebten.

Klaviertrios waren in der Zeit der Wiener Klassik ein beliebter Modeartikel. Es entstanden unzählige Werke für die gängige Besetzung Klavier, Violine und Violoncello. Das im August 1786 entstandene Trio in Es-dur fällt in Mozarts Trioschaffen gewissermassen aus dem Rahmen: Zum einen durch die Satzfolge - es ist sein einziges Trio, das nicht mit einem Satz in raschem Tempo beginnt -, zum anderen durch die Besetzung, bei der das übliche Bassinstrument Violoncello durch die Viola (bekanntlich Mozarts Lieblings-Streichinstrument) ersetzt wird und auch eine selbständigere Rolle als das Cello in den früheren Trios spielen darf. Über die Entstehung des "Kegelstatt"-Trios ist wenig bekannt. Ob es, wie andere Kompositionen, wirklich beim Kegeln entstanden ist, kann nicht belegt werden. Es könnte sich auch um eine Verwechslung mit den "12 Duos für 2 Hörnern KV 487" handeln, deren Autograph von Mozarts eigener Hand die Angabe "untern Kegelscheiben" enthält. Wahrscheinlich hat Mozart das Trio für seine begabte Schülerin Franziska von Jacquin geschrieben. Die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart wird oft mit dem Wort „leichtfüssig“ beschrieben. Hinter dieser Fassade öffnen sich jedoch auch Abgründe, zu hören bespielsweise im Menuett, in welchem Mozart von sanftem Dur in dramatisches Moll abgleitet und zwischen den Extremen oszilliert.

"...dem Maler wird das Gedicht zum Bild, der Musiker setzt die Gemälde in Töne um. E. - Die Ästhetik der einen Kunst ist die der andern; nur das Material ist verschieden. F." So lässt Robert Schumann Eusebius und Florestan, zwei von ihm geschaffene Phantasiefiguren, seine romantische Kunstauffassung formulieren. Diese Kunstauffassung, welche in den "Märchenerzählungen" ihren Ausdruck findet, ist weit von der Idee der ebenfalls aufkommenden "Programmmusik" entfernt. Die Verschmelzung verschiedener Kunstformen bringt eigenständige, für sich selbst sprechende Formen hervor. Natürlich lassen die einzelnen Sätze der "Märchenerzählungen", mit ihren fantasievollen Melodien und "ver-rückten" Motiven, viel Raum für bildliche Assoziationen. Schumann begnügt sich aber nicht mit einer blossen Aneinanderreihung von Einzelstücken, sondern bildet einen ausgewogenen und bewusst proportionierten Zyklus. Schon durch die Abfolge der Tonarten (B-Dur, g-Moll, G-Dur, B-Dur) erreicht er eine Geschlossenheit, lässt aber auch zahlreiche subtile motivische, thematische und harmonische Bezüge zwischen den vier Stücken für Klarinette, Viola und Klavier entstehen.

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