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Avantgarde
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Allegro tristamente
Romanza (Très calme)
Allegro con fuoco (Très animé)

Gabriel Fauré (1845-1924)
Trio d-Moll op. 120 (1922/23)
für Klarinette, Violoncello und Klavier
Allegro ma non troppo
Andantino
Allegro vivo

Erwin Schulhoff (1894-1942)
Duo (1925)
für Violine und Violoncello
Moderato
Zingaresca. Allegro giocoso
Andantino
Moderato - Presto fanatico

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
Klaviertrio Nr. 1 c-Moll op. 8 (1925)


Ensemble Spektrum
Marc Bätscher, Klarinette
Dominique Gisler, Violine
Ursula Hächler, Cello
Kiyomi Higaki, Klavier



In der Musik bedeutet Avantgarde ein sich lösen von traditionellen Hörgewohnheiten und herrschenden kompositorischen Normen. In diesem Programm werden vier Komponisten porträtiert, die alle ihren eigenständigen Kompositionsstil entwickelten und sich in ihrer Art von traditionellen Kompositionsnormen gelöst haben
Der 1899 in Paris geborene Francis Poulenc lernte früh Eric Satie kennen und wurde Mitglied der „Groupe des Six“, einer Gruppe von Komponist*innen, die eher die Ablehnung des Impressionismus und der wagnerianisch-romantischen Musik verband als eine gemeinsame ästhetische Haltung. Poulenc entwickelte in seinen Bläserwerken einen unverwechselbaren Stil. Sein Freund Darius Milhaud beschrieb sie so: „Wird nach all den impressionistischen Nebeln nicht diese simple und klare Kunst, die so sehr an Scarlatti und Mozart erinnert, die nächste Phase unserer Musik sein?“
Die Klarinettensonate schrieb er kurz vor seinem Tod und im Andenken an seinen Freund Arthur Honegger. Dies erklärt den eher traurigen Charakter der ersten beiden Sätze - für den humorvollen Komponisten Poulenc ungewöhnlich.

Gabriel Fauré wurde von Camille Saint-Saëns gefördert und entwickelte schon früh seinen eigenen Kompositionsstil. Er erweiterte die Tonalität, verwendete häufig unerwartete und rasche Modulationen wie auch eigentümliche Rhythmen. Gabriel Fauré gilt durch sein grosses Kammermusikschaffen als Wegbereiter der französischen Kammermusik. Sein Trio op. 120 schrieb er – bereits schwerkrank – kurz vor seinem Tod. Sein Spätstil zeichnet sich durch schlichte, durchsichtige Eleganz aus, jeder Satz entwickelt sich aus einem einzigen musikalischen Motiv.

Der tschechische Komponist Erwin Schulhoff galt schon früh als Komponist der Avantgarde. Er beschäftigte sich mit Dadaismus und der Zwölftonmusik, ohne aber rein zwölftönig zu komponieren. Schulhoff schrieb über sich selber: „Überdada, Componist und Expressionist, - Ist - jeder Richtung, jedes Ismusses!“1) Seine kompositorische Karriere wurde aber aufgrund des aufkommenden Nationalsozialismus schroff unterbunden. Er starb im Konzentrationslager Wülzburg an Tuberkulose. Das Duo für Violine und Cello komponierte er 1925. Es zeichnet sich durch hohe Expressivität und kongeniale Verwendung der spieltechnischen Möglichkeiten der beiden Instrumente aus.

Beim russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch zeigte sich sein enormes musikalisch-kompositorisches Talent schon sehr früh. Das auf dem Programm stehende Klaviertrio komponierte er mit gerade mal 17 Jahren. Er widmete es seiner Jugendliebe, Tatjana Glivenko, die er bei einem Kuraufenthalt auf der Krim kennenlernte. Die Herausgabe dieses Jugendwerks fand erst 1983 durch sein Schüler Boris Tischtschenko statt, der auch die verschollenen letzten Klavierseiten noch vollendete. Das einsätzige Werk deutet schon an, was für Dmitri Schostakowitsch typisch werden sollte: ein motorisch bewegtes erstes Thema und ein lyrisches zweites, eine martialische Verdichtung und Auflösung in der Reprise.


1)Zitat aus dtv Kammermusikführer.

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